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2012 Rennsteig - Via Sandalia
 

ITRT 2012

-- ITRT auf dem Abwegen oder besser dem Rennsteig, auch Via Sandalia getauft --

Start: 07.09.2012 - 11.09.2012
Ziel: Thüringen
Teilnehmer: Tomas,Mirko,Olaf,Thomas,Maik,Gerd,Jörg und ein Überraschungsgast

 Bilder


Freitag             7.9.                  1. Tag

2012 war ein schwieriges aber letztendlich doch erfolgreiches Jahr für das Traditionsunternehmen ITRT. Unserem Namen (Incredible TATRA Revival Tour) konnten wir dies Jahr keine Referenz erweisen. Unser Name steht für Tradition als auch für Aufbruch in die Moderne. Die Geläufte von Eurokrise und anderen globalen Bagatellen hatten nur noch einen kleinsten gemeinsamen Terminkalender für uns alle übrig gelassen. So mussten wir uns auf eine zeitlich kleingefasste Tour beschränken, die dennoch Großes von uns verlangte, wie wir im Nachhinein feststellten.

Mirko und Olaf fuhren des Freitags in aller Frühe nach Weimar, wo uns Thomas und Maik schon bei Kaffee und kleinem Frühstück erwarteten. Maik grüßten wir als neuen Untermieter von Weimar in den neuen heiligen Hallen, die vielleicht in Kürze das Feng-Shui-Zentrum von Weimar werden.

Gert wechselte nur die Straßenseite und war da. Wir fuhren dann los zum Bahnhof der Dichterstadt. Dort angekommen organisierten wir uns ein Thüringen-Gruppen-Ticket. Derweil kam ein Anruf von Thomas G. an, er sei noch auf der Autobahn; allerdings bei Bad Berka. Ortskundige sagten: Keine Chance, nicht mal mit Pilotenschein, den Zug in Weimar zu erreichen und vermittelten schon die nächste Zugverbindung, mit der uns Thomas nach Erfurt folgen sollte.

Als wir dann im fahrenden Zug sitzen und realisieren, ITRT hat seinen 2012er unumkehrbaren Anfang gefunden, kommt die Schaffnerin, liest unser Ticket und befindet: Das ist ungültig! Es war 8.50 Uhr und das Thüringen-Gruppen-Ticket gilt erst ab 9.00 Uhr. Kleine Diskussion, hilft nix. Wir zahlen die Nachgebühr von 25 Euro. Deutsche Zucht und Ordnung in Reinkultur. (Da könnten sich die Griechen mal ein Beispiel nehmen an unserer Abstrafung :-)

Mirkos Beitrag lautete: War doch billig. Die Dame hätte nach billigem Ermessen es uns teuer werden lassen und 40 Euro Schwarzfahrerprämie kassieren können. Von jedem!

Darüber noch diskutierend steigen wir in Erfurt aus dem Zug, gehen den Bahnsteig runter, da zieht wie eine Erscheinung Thomas G. im Gang an uns vorüber. Thomas hatte uns mit dem nachfolgenden ICE aus Weimar überholt und war dann ein oder zwei Minuten VOR uns in Erfurt eingetroffen. Wie heißt es so schön im Neuen Testament: Die letzten werden die ersten sein.

Noch eine Überraschung in Erfurt: Jörg stößt zu uns. Nach dem ersten Hallo, dann erstes Schmunzeln auf die Frage, ob er in seinen Sandalen den Wanderweg beginnen will. Dann ein erstes Stirnrunzeln, nachdem Jörg uns verkündet, dass er NUR diese Sandalen mit sich führt. Das kann ja (h)eiter werden …

Wir laufen los in Eisenach, am Fuß der schönen Wartburg vorbei, die hoch über uns thront im schönsten Sonnenschein.

Übrigens Fazit vorab: Wir haben das Sonnenfenster des Septembers gebucht: Sonnenschein pur vom ersten bis letzten Tag. Danke Kolibaba!

Gerd läuft unsymmetrisch und auf Nachfrage gesteht er mir, dass er seit einiger Zeit Knieprobleme hat aber auf keinen Fall den Versuch unterlässt, ITRT wenigstens zu probieren.

Umweht uns schon am ersten Tag der Odem der Geriatrie? Einen Gedanken, den ITRT in seiner Gesamtheit schon seit längerem nicht mehr unterdrücken kann, denn alle Teilnehmer haben das Bergfest ihres Lebens schon vor einigen Jahren mindestens gefeiert.

Dann nähern wir uns der Drachenschlacht und der echte Einstieg zur Wanderung beginnt. Ein Blick in unsere Fotogalerie lohnt sich! Es geht durch eine Felsklamm, die teilweise nur einen Meter breit ist und über uns wächst der Fels in die Höhe. So eine Landschaft hätte wir niemals in Thüringen verortet sondern eher in der Hohen Tatra, Slovensky Raj oder den Dolomiten. Oben angekommen nach einem Aufstieg von 500 Metern kommen wir an der HOHEN SONNE an und atmen tief durch und genießen nun den Blick auf die Wartburg von OBEN bei einer ersten richtigen Rennsteig-Roster. (Jörg bemängelte nur den intensiv grünen Kern, das ist aber bei den Originalen so!) Die Hohe Sonne ist ein altes Jagdschloss derer von und zu und ist leider zu. Es muss schönere Zeiten gesehen haben.

Zu DDR-Zeiten fing hier der Rennsteig an, weil der echte Rennsteig-Anfang in Hörschel den Genossen Bergfreunden zu dicht im Grenzgebiet lag.

Jetzt beginnen wir mit unserem Rennsteig-Marsch und kommen in der geschlossenen Bergwachthütte „Am Auerhahn“ zu unserem wohlverdienten Mittagessen, das sich aus der Plastefolie schält und wo ein kohlesäurehaltiges Getränk leicht aufstoßen lässt. Danach beginnt ein steiler Abstieg (wie hasse ich das immer wieder, da ochst man sich Hunderte Meter bergauf  um dann viele viele Höhenmeter runterzulaufen, nur damit man auf den nächsten Hügel in vorher gleicher Augenhöhe zu kommen)

Aber nach Kilometern und Stunden sammeln wir uns am Rastplatz Schillerbuche, ein Treffpunkt friedlicher Koexistenzen von Autos und Wanderern. Thüringer Bratwurst für alle und ein Bier, das der Olaf bestellt und bekommt und das ist sogar ein Tatra-Bier (Herstellung in Polen!) Danach ist Bier aus. Eine Flasche Bier für sechs Wanderer ist gut genug.

Die wichtigste Botschaft für uns ist diese: Tatra-Bier. Nur noch diese eine war da und hier. Unser Name & Programm ITRT (Incredible TATRA Revival Tour) hat sich hier bewahrheitet, eben auch auf dem Rennsteig.

Als wir dann weiterwandern kommen wir schon wieder an einem Drei-Herren-Stein vorbei. Der Name ist inflationär, wie wir später noch bemerken werden. Der Rennsteig war Jahrhunderte die Grenze von zwei oder gar oft drei Herrschaftsgebieten derer von und zu usw. Darum findet der erbaute Wanderer ganz oft Dreiherrensteine als steinerne Denkmäler, als Wegorientierungen und als Namensgeber von Hütten, Pensionen und Hotels.

Der weitere Weg nach dem Tatra-Bier war ein steiler Anstieg: Der Große Inselsberg wartete auf  uns mit seinen 916 Metern. Thomas und Olaf zogen als Vorhut mit schnellem Schritt den Berg hinauf. Grund: Wir hatten das Hotel „Am kleinen Inselsberg“ bestellt und sollten um 18 Uhr dort sein. Nun waren wir knapp mit der Zeit dran und haben uns drum einen sportlich-steilen-schnellen Anstieg auf den Großen Inselsberg eben gegönnt. Oben angekommen sind wir beide dann klitschnass.

Es geht nicht anders, wir müssen auftanken und bestellen uns ein Sturzbier. Danach gehen wir die sogenannten Reitsteine am steilsten Abstieg runter und stehen dann kurz danach vor unserem Hotel.

Wir sitzen vorm Haus, trinken unser erstes Wandererfeierabendbier, da hält ein Taxi vorm Hotel und dann staunen wir … Bauklötzer.

René steigt aus und stößt unangekündigt zu uns. Er hatte alle unsere Emails per CC mitgelesen und wusste wo wir am ersten Tag als Ziel ankommen und schlafen wollten. Er hatte sich heimlich ein Zimmer gebucht und vom Wirt versichern lassen, dass da eine Chemnitzer/Weimarer Truppe im Anmarsch ist. Es gab ein großes Hallo als die Nachhut ankam. Nur wie Gert angehumpelt kam, das sah nicht so gut aus. Es wurde ein schöner Abend nach 28 km Marsch, die wir zuvor auf zehn oder dreizehn Kilometer geschätzt hatten.

Samstag           8.9.                  2. Tag

Gert beschließt sich fahren zu lassen. Sein Knie gibt keine mehreren Kilometer Laufleistung mehr her. Unser nächstes Ziel heißt: Jahnhütte. Nach vier Kilometern kommen wir am Heuberghaus an mit der historischen Bobbahn. Da wir denken, wir haben wieder nur ein kurzes Stück Weg vor uns, beschließen wir ausgiebig zu pausieren und dinieren auch ein wenig mit Soljanka. Nach dem ersten Pausenbier singen wir die Thüringer Nationalhymne ab; das Rennsteiglied. Mirko lädt zu diesem Behufe noch schnell die Melodie und die Gitarrengriffe aus dem Internet runter und Thomas Musicus zupft auf seiner Gitarre die Melodei.

Irgendwann brechen wir auf, wähnen uns eines kurzen Weges und gähnen dann später, als wir merken, wie lang die Strecke noch wird und wurde. Aber das ist nicht alles. Auf dem Rastplatz  „Neue Ausspanne“ meldet Jörg massive Muskelbeschwerden an: Krämpfe in den Waden. Die Sandalen, seine neo-römischen Gehwerkzeuge wurden ihm zum Folterwerkzeug.

Im medizinischen Befund von Dr. Reinholz standen allerdings Wadenkrämpfe. René bleibt zurück und beschützt Jörg während der Tross weiterziehen muss.

Nach der Ebertswiese kommen wir an einer Bergwacht-Hütte vorbei. Es qualmt dort kräftig und lädt sogar mit einem Schild zur Einkehr ein. Allerdings glauben wir, dass es nur für Notfälle gilt und so ziehen wir weiter.

Auf der nächsten Bergwacht werden wir eines Besseren belehrt. Als Tipp an alle gilt: Besetzte Bergwachten laden zur Einkehr ein und bessern mit den bescheidenen Preisen für Kost und Logis die Vereinskasse auf, denn diese Bergwachten werden alle ehrenamtlich geführt und bewirtschaftet. 

Irgendwann kommen wir leicht erschöpft an der Bergwacht Rotterode an. Da sitzt aber unser Gert schon im Fröhlichkeitsstatus und spielt Karten mit der Bergwacht. Gerds kaputtes Knie wurde von den Bergwächtern umfassend beraten und dem Wiederangriff der bösen Geister wurde durch spirituelle Getränke Abwehr gezeitigt. Gert galt als spontangeheilt und verkündete uns, dass er nach unserem Abgang zur Jahnhütte eigenen Fußes folgen würde.

Endlich Ankunft in der Jahnhütte, die benannt ist nach dem Turnvater Jahn. Nachdem uns unser Schlafsaal zugewiesen wurde, essen wir harmlos Linsensuppe mit Knoblauch; mit viiiel Knoblauch. Das haben wir uns verdient und unsere Frauen sind weit weg. Ein wenig später kommt Gert den Abstieg zur Jahnhütte runtergehumpelt. Beim zweiten Teller Linsensuppe packt Thomas Musicus seine Gitarre aus und stimmt sie und sich ein. Da kommt vom Nachbartisch die Ansage: "Gib doch mal rüber". (Erinnerungen an die Alu-Hütte in der Niederen Tatra werden wach, ITRT 2009) Es wird wieder einer der Abenden, die man nicht buchen kann. Zaungäste, wenn es denn in dieser Einsamkeit der tiefen Bergtäler welche gäbe, würden vom Sängerwettstreit berichten. Ein wilder Talentewettstreit scheint ausgebrochen, der mit Tanzeinlagen von der Bundes-Moni aufgelockert wird. Bundes-Moni ist von der Bundeswehr und gerade seit vier Wochen aus Mazar-i-Sharif in Afghanistan heimgekehrt und übt sich im Zivilistenleben wieder ein. Das Rennsteig-Lied abzusingen ist zur Überraschung der Thüringer am Nachbartisch unsere leichteste Übung. Wir waren ja gut vorbereitet auf den Rennsteig geklettert. Der Abend wurde lang und länger. Der Schreiber hat bei einer Nachtpatrouille zum Sanitärporzellan die letzten standhaften Sänger noch um zwei in der Blockhütte gesichtet.

Sonntag           9.9.                  3. Tag

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Gert und Jörg. Beide erhalten einen Attest von uns, der Ihnen entschuldigtes Fernbleiben von der Truppe ITRT aus medizinischen Gründen bescheinigt. Jörgs Versuch, den Rennsteig in Sandalen zu absolvieren endete damit, dass wir den Antrag auf Namensänderung stellen werden: von Rennsteig auf Via Sandalia. Wir laufen alle wieder hoch zur Bergwacht Rotterode. Von dort lassen sich die beiden mit dem Allradjeep in die Zivilisation fahren. Wir, der Rest, wandern weiter.

Die nächste Station ist der Grenzadler von Oberhof. Mit grenzwertigen aber obertouristisch normalen Preisen haben wir diesen absolviert und überschritten. Oberhof ist für gestandene Wanderer kein Highlight.

Am so genannten Rondell verabschiedet sich René, um sich seiner Kundschaft am nächsten Tag zu widmen und sie mit Künstlerbedarf wieder weiter zu versorgen. Es geht munter bergan, bis wir auf dem höchsten Berg von Thüringen stehen, welches nicht der Große Inselsberg (916) ist, wie alle glauben und von weiter Ferne aus angenommen werden kann. Der Thüringer Premium-Berg ist der Große Beerberg mit 983 Metern. Justus von Plänkner sei dank, der den Rennsteig bewandert und vermessen hat und dem hier ein Denkmal gesetzt ist. Von der Plattform haben wir einen wunderbaren Blick runter nach Suhl und bis hinüber in die Rhön mit der Wasserkuppe.

Nach einiger Strecke kommen wir am Ziel Schmücke an. Dort steht unser nächstes Hotel und Kellner, der uns ein Wernesgrüner Feierabendzielbier bringt. Wernesgrüner ist definitiv nicht unsere bevorzugte Vereinssaftsorte. Das Hotel auf der Schmücke ist ein rustikales DDR-Hotel, das man wohl eher nicht mit Familie buchen würde. Für uns  bedarfslose Wandergesellen, die am nur am Weg interessiert sind, reicht es.

Abends entdecken wir ein paar rote Lichter ...
*--
Jetzt muss der Lektor doch mal seiner Verantwortung nachkommen.
Der Schreiberling wollte aus ethisch moralischen Gründen die bereits wohlfeil formulierten  Beobachtungen unter dem Mantel des Schweigens verbergen. Nun die ungeschminkte Wahrheit aus meiner Sicht. Neben dem Hotel gab es ein niedliches Einfamilienhaus neuerer Bauart. Über dem Eingang zur Garage war ein Plakat gespannt, den Text konnten und wollten unsere trüben Augen nicht mehr erkennen. Auffällig waren nur die davor parkenden Nobelautos. Jetz greife ich der nächsten Überschrift mal vor... Am Morgen war meine Schlafphase dank knochentrockener Luft recht früh beendet. Um die Zeit bis zum Frühstück mässig sinnvoll zu überbrücken begab ich mich auf einen kleinen Rundgang durchs Gelände. Da erst konnte ich das Plakat lesen. "Schmücke Girls"  Und war es so schlimm? Ich glaube Nein! Und wieder zurück zum Schreiberling
--*

Montag            10.9.                4. Tag

Morgens sitzen wir im Hotel und genießen das Frühstück bei mit karibischen Flair und Schokonussi (dieser Satz hat nur Erinnerung und Wert für ITRT, Nachfragen zwecklos) Die wichtigste Station des Tages ist für uns als Wegmarke: das Herbert-Roth-Denkmal. Auch wenn wir sonst eher nicht bei Stefanie Hertel und Co in der Fan- und Klatschgemeinde gesichtet werden, dem Herbert singen wir mal schon ein Lied oder besser DAS Lied. Der geneigte Leser ahnt es schon: das Rennsteiglied. http://www.dreiherrenstein.de/lied.html (am Besten funktioniert der Link mit zugeschalteten Lautsprechern)

Vor dem Denkmal von Herbert Roth bauen wir uns auf und röhren mit vollen Stimmen das Lied, dass die Spatzen ihren Flug unterbrechen und auf den Zweigen unsere Parade ehrfuchtsvoll entgegennehmen. Das Absingen der vollständigen Thüringen-Hymne ist für uns ein Muss. Eine auf den Bus wartende Seniorenwandergruppe zeigt sich entzückt. 

Unsere Wanderung geht weiter, vorbei am sogenannten Mordfleck und dann zum Bahnhof Rennsteig. Züge fahren dort wohl schon lange nicht mehr aber Freunde von Eisen & Bahn haben den Bahnhof liebevoll in eine Gaststätte mit Ambiente umgebaut, von dem Mitropa nur hätte träumen können. Allen Wanderern und Urlaubern sei dieser Kult-Bahnhof/Restaurant wärmstens empfohlen!  http://www.bahnhof-rennsteig.de/ 

Die chefhabende Kellnerin vom Dienst sieht uns die Wandervögel an und bei einem Gespräch lässt sie auf unsere verbale Provokation die Bemerkung fallen, dass sie uns allen ein Freibier spendiert, wenn wir denn das Rennsteiglied singen könnten. Kurz darauf erschallt unser Gesang laut wie die Don-Kosaken und die Kellnerin wird blass ob unserer Textsicherheit und wiegelt sofort ab und nimmt Abstand von ihrem früheren Angebot. Es kostet uns nur ein Lächeln und dann kosten wir das Jäcklein-Bier und genießen uns durch die ästhetisch und künstlerisch sehr geschmackvoll gestaltete Menükarte. Dieser Bahnhof sei wirklich eine Empfehlung an alle Leser und Wanderer.

Als wir wieder auf dem Rennsteig sind, kommt irgendwann die Anzeige nach Schmiedefeld. Thomas Musicus der Architekt hat dort sein berufliches Erstwerk zu stehen und würde es sich gern noch einmal ansehen. Wir wägen ab; die vielen Kilometer abwärts vom Rennsteig und dann noch die vielen Kilo und Meter, die noch vor uns liegen. Die Abstimmung fällt zuungunsten von Thomas aus, der uns das hoffentlich verziehen hat.

Dafür kommt wenige Kilometer auf dem Rennsteig eine Attraktion der besonderen Art: ein alter DDR-Bunker, der für die absolute Führungselite im Atomfall vorgesehen war. Dieser Bunker ist heute ein Ort der Besichtigung. 
http://www.waldhotel-rennsteighoehe.de/bunkermuseum-rennsteig.php

Wieder stimmen wir ab, dieses Mal ist die Mehrheit einschließlich Thomas dafür.

Wir haben noch jede Menge Zeit, bis die Führung ins Reich des grauen (Betons) beginnt. Darum logieren wir draußen auf dem Rasen in der Sonne. Und dann passiert es. Ein Mitarbeiter der Anlage, wohl der Gärtner, geht im blauen Nicki mit DDR-Emblem drauf und Strohhut auf dem Kopf an uns vorbei, so wie ihn der Chef der größten DDR der Welt immer gern getragen hat. Uns bleibt erst mal die Spucke weg um dann zu sehen, dass der Marketing-Gag der Truppe dort gewirkt hat. Der Besuch dieser Anlage, die die Auserwählten für maximal 400 Tage am Weiterleben gehalten hätte, ist ambivalent. Was hätte sie denn im Falle eines Ernstfalles nach dieser Frist oben erwartet?

Danach geht’s weiter nach dem Ort Allzunah. Das soll der offizielle Mittelpunkt des Rennsteigs sein. Dort wurden wir zum ersten Mal von einem Gastwirt mit dem offiziellen Rennsteigwanderergruß begrüßt und der heißt: Gut Runst. Laut Wanderführer ist das der traditionelle Gruß der Wanderer. Als Fazit müssen wir festhalten, dass wir nicht allzu viele Rucksackwanderer, wie wir, auf dem Rennsteig getroffen haben. Umso mehr wurden wir von den älteren Semestern wertgeschätzt, die uns trafen auf ihrem Tagesausflug und sich bei unserem Anblick vermutlich an ihre Wandertage erinnerten. Die Masse der Wanderer die wir trafen waren Radfahrer (Biker appr. Mountain), die zum Teil mit affenartiger Geschwindigkeit die Schotterpiste hinabgeschossen kamen.

Wir hatten keine Unterkunft für die kommende Nacht gebucht und fragten nun einen Gastwirt, der uns Neustadt ans Herz band. Nach zwei Stunden waren wir dann auch dort. Zu unserer Überraschung nach den ersten Bürgerbefragungen war auch hier alles voll. Wir hatten aber die Kraft der spirituellen Gewissheit in uns, dass sich für uns auf jeden Fall etwas finden wird. Es war zwar schon abends um fünf aber wir genehmigten uns in aller Ruhe ein Bier beim Gastwirt in der Pension Sonne. Der Gastwirt telefonierte liebenswürdigerweise mit Bewohnern und siehe da: Wir hatten eine Pension.

Frau Oberländer in der Pension Brunnengasse 22 stand schon auf dem Weg und begrüßte uns breitarmig, als wir den Weg hinabgeschlendert kamen. Kurze Wege und schnelle Kommunikation, das hat hier wieder mal funktioniert.

Frau Oberländer empfahl auf unsere Frage nach einer rustikalen Gastwirtschaft uns den Tannengrund. Das wäre gut und günstig. Die Gaststätte war wirklich super. Der kleine Laden war mit uns randvoll. Die Teller waren reichlich belegt und die Bierkrüge gefüllt. Im Hintergrund wurden nur alte DDR-Lieder von Karat und Co abgespielt. Das ganze kam uns wie eine kleine DDR vor, die sich in die neue Zeit hinübergerettet hatte. Auch wurde pünktlich um 22 Uhr der Ausschank eingestellt und damit verhindert, dass sich durstiges Volk die Arbeitsfähigkeit des nächsten Tages wegtrinkt. Ein stark überhopfter Gast wurde so auch nach Hause geschickt.

Wir gingen nach Hause sangen Fischers Nachtgesang und beendeten den Tag.

Dienstag           11.9.                5. Tag

Nach einem oppulenten Frühstück mit Eiern von glücklichen Hühnern, die den ganzen Morgen im Hof schon Krach gemacht hatten, begann dann der Ausstieg. Das Ende der Rennsteigwanderung nahte unaufhörlich.

Als wir in Großbreitenbach ankamen und mit dem Fahrplan im Bushäuschen nicht ganz zur Weisheit kamen, gingen wir zur nebenanliegenden Filiale der Volksbank und fragten nach Bus und Weg. Die beiden Bänkerinnen hatten nichts zu tun und offensichtlich Freude am Schwatz mit uns. Die eine Bänkerin telefonierte, bis wir mitbekamen, dass sie mit dem Fahrer unseres Linienbusses per Handy telefonierte und uns bedeutete, dass in dreißig Minuten der Bus da ist. Man/Frau kannte sich :-)  Daraufhin sagte ich, dass ich jetzt die Werbung der Volksbanken verstanden haben: Wir machen den Weg frei.

Großes Lachen und bald darauf saßen wir im Bus.

Der Abgesang lässt sich kurz fassen.

In Weimar trafen wir einen genesenden Gert an.

Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und brachen ein jeder in seine Heimat auf.

Steffen der Kolibaba I, sei Dank, dass wir auch dies Jahr wieder eine ITRT Wanderung gemacht haben.

Wohin wird uns die nächste führen?

O. B.

Schreiberling